Dieser Kurs findet vom 29.07.-05.08.2021 digital statt.
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DK-7 Gelobt vs. geliebt –
gestern hit, heute Klassiker?

Kursbeschreibung

In Buchhandlungen grüßt am Eingang das Bestseller-Regal. Netflix bietet einen Schnellzugang zu den Top 10-Serien in unseren Breitengraden. Die Singlecharts bestimmen seit den 1950er Jahren das Radioprogramm und beeinflussen das Angebot der Streamingdienste. In diesen Sparten wird das richtig große Geld gemacht. Der Weg in die Lehrpläne bleibt ihnen hingegen meist verschlossen. Blockbuster und Bestseller sind Produkte wirtschaftlichen Kalküls, nicht genialer Inspiration. Ihr Genuss hat weder ästhetischen noch gesellschaftlichen Mehrwert. Kurz: Fließbandproduktionen zur seichten Unterhaltung von Banausen.

Doch Mainstream und Kommerzialisierung der Kultur sind keine Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Bereits früher spielten Erfolgschancen bei der Entstehung von künstlerischen Werken eine wichtige Rolle. Erprobte „Rezepte“ haben zu jener Zeit Weltliteratur hervorgebracht.

Auch sagen diese Werke etwas Entscheidendes über unsere Epoche aus: was zu einem Zeitpunkt gefällt, gefällt nicht unbedingt zu einem anderen! Was gemeinhin als „Schund“ abgetan wird, ist bei genauerem Hinsehen nicht nur menschlich komplex, sondern auch politisch interessant.

In diesem Kurs setzen sich die Teilnehmenden mit historisch gewachsenen Vorurteilen auseinander, um einen neuen Blick auf die „Popkultur“ zu gewinnen. Sie erarbeiten die Ursprünge des mainstream und erkennen (literarische, politische, ökonomische) Parallelen zwischen Werken des vorindustriellen Zeitalters und heute. Interesse an Literatur und Film, auch über den deutschen Sprach- und Kulturraum hinaus, sind daher Voraussetzung, ebenso die Bereitschaft, im Vorhinein ein Referat auszuarbeiten (Fachliteratur, evtl. auf Englisch, wird zur Verfügung gestellt).

Titelseite der Ausgabe von 1603.

(Bildquelle: Digitalsat der BSB München, Signatur: 4 P.o.angl. 23)

 „Lion King“ im Minskoff Theatre auf dem Broadway.

(Bildquelle: [externe Links] BroadwayTour.net, Lizenz: CC BY-SA 2)

Die Kursleitenden

Miriam Speyer (Jg. 1989) hat die Teilnahme an der DSA Roßleben 2007 so genossen, dass sie seitdem selbst einen Kurs anbieten wollte. Nach einem Umweg über Physik hat sie Romanistik in Deutschland und Frankreich studiert und 2019 ihre Promotion zu Gedichtsammelbänden des 17. Jahrhunderts abgeschlossen. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Université de Paris. In ihrer Freizeit liest sie sich quer durch alle Epochen, spielt Saxophon oder genießt beim Joggen den Blick auf den Eiffelturm.

Jasmin Sültemeyer (Jg. 1991) studierte in Mainz, Barcelona und Cairns Englisch, Spanisch und Geschichte auf Lehramt und absolviert zurzeit ihr Referendariat in der Pfalz. Von 2017 bis 2019 war sie als Lehrbeauftragte am Lehrbereich English Literature and Culture der JGU Mainz tätig, wo sie 2020 erfolgreich ihre Dissertation über viktorianische Kinderbuchklassiker und deren zeitgenössische Verfilmungen verteidigte. Privat liest sie am liebsten „Schund“ und springt leidenschaftlich gerne Seil.