Dieser Kurs findet vom 05.08.-12.08.2021 digital statt.
Zurück zur Kursübersicht

3.3 Wir und die Anderen.
Orientalismus früher und heute

Kursbeschreibung

Tausendundeine Nacht, unterdrückte Frauen und Nahostkonflikt – der „Orient“ weckt viele Assoziationen. Doch was bezeichnet der Begriff? Welche Vorstellungen und Bilder transportiert er und woher kommen sie? Schaut man genauer hin, fällt schnell auf, dass sich hinter dem diffusen Label „Orient“ Länder und Regionen verbergen, die historisch, kulturell und sprachlich eigentlich sehr unterschiedlich sind: Von Marokko über Jemen bis hin zur Türkei und Usbekistan.

Edward Said bezeichnete 1978 die Perspektive, mit der westliche Gesellschaften auf den „Orient“ schauen, als „Orientalismus“. Die Teilnehmenden gehen Saids Argumentation nach und untersuchen, wie sich Orientalismus entwickelt hat und welche gesellschaftlichen Machtverhältnisse dem zugrunde liegen. Dabei steht die Frage im Fokus, wie wir den sogenannten „Orient“ als das „Andere“ konstruieren, und was diese Charakterisierung über den „Okzident“ aussagt.

Diese Frage beantwortet der Kurs auch alltagsnah durch Beispiele von Orientalismus in Popmusik, Hollywoodproduktionen sowie der Berichterstattung über internationale Konflikte oder die Corona-Pandemie. Gleichzeitig knüpft er an größere theoretische Fragen von Repräsentation, globalen Machtstrukturen und Feminismus an.

Das inhaltliche Niveau entspricht einem universitären Seminar im zweiten Studienjahr, wobei immer ausreichend Zeit und Raum für Fragen zum Text bleiben. Im Vorhinein lesen die Teilnehmenden Texte auf Deutsch und Englisch und bereiten kurze Referate für die Diskussion im Kurs vor.

Am Ende des Kurses können die Teilnehmenden analytisch mit dem Begriff „Orientalismus“ arbeiten, Verflechtungen von Macht und Wissen verstehen, historische wie aktuelle gesellschaftliche Prozesse einordnen, sowie komplexe wissenschaftliche Texte verstehen und hinterfragen.

Jean Auguste Dominique Ingres’ Gemälde „La Grande Odalisque“ (1814) spielt mit der Vorstellung des Orient als Ort der Versuchung – ein Darstellung, die auch heute noch aktuell ist.

(Bildquelle: [externer Link] Wikipedia)

Die Kursleitenden

Jan Altaner (Jg. 1992) studiert im Master Nahostwissenschaft in Beirut, wo er sich mit der modernen Geschichte des Ostmittelmeerraumes, insbesondere der Stadtentwicklung, auseinandersetzt. Seine große Begeisterung für die arabische Sprache führte ihn schon 2015 in den Libanon, wo Jan nebenbei politische Studienreisen leitet. Als Autor und Redakteur engagiert er sich bei dis:orient, einem Onlinemagazin zu Westasien- und Nordafrika. Außerdem mag Jan Film und (Impro-)Theater.

Annkatrin Müller (Jg. 1994) studiert im Master Soziologie und beschäftigt sich derzeit mit Geschlechterfragen und Optimierungs- und Individualisierungsdruck. Daneben lernt sie begeistert Russisch und interessiert sich für die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Sie verbrachte ein Jahr in Usbekistan und arbeitet an einem Onlinemagazin über Zentralasien mit. Ihre Zeit verbringt sie gerne mit Musik, spielt Klavier oder singt im Frauenchor und freut sich auf gemeinsames Musikmachen bei der DSA.