Dieser Kurs findet vom 29.07.-05.08.2021 digital statt.
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7.5 Grundlagen der politischen Philosophie

Kursbeschreibung

„Denn vor dem Sein gibt es Politik.“
Deleuze & Guattari, Tausend Plateaus

Politik wird von allen gemacht, alle machen ständig Politik. Alle finden sich in Kollektiven, die verschiedene Formen haben: eine Stadt, eine Klasse, eine Gesellschaft, oder eine Politgruppe. Diese Formen zu gestalten und um sie zu kämpfen macht politische Subjekte aus. Der Philosophie, deren allgemeine Aufgabe es ist, nach dem Wesen des Seins zu fragen, geht Politik also voraus – vor dem Sein gibt es Politik.

Der Kurs geht dem Verhältnis von Philosophie und Politik nach. In einem ersten Schritt zeigt er anhand philosophischer Begriffsgeschichte auf, wie der Sinn von Politik weit über Herrschaftstechnik und Staatenlenkung hinausreicht. In einem zweiten Schritt geht es darum, Begriffe aus politischer und philosophischer Theorie zu erarbeiten, die den Finger in die Wunde der Frage nach gegenwärtiger politischer Handlung legen.

Dabei lernen die Teilnehmenden, dass die Konstruktion von Begriffen den Kern philosophischer Fragestellungen ausmacht. Begriffe wiederum prägen dadurch das Politische und den politischen Diskurs, dass sie bestimmen, wer dort auftaucht, marginalisiert wird, oder das Wort führt. Anhand von Begriffen wie Subjekt, Ideologie, Metaphysik, Produktion oder Minderheit vollziehen die Teilnehmenden nach, wie Sprache Politik kodiert und Diskurse hergestellt werden.

Der Kurs stellt im Vorfeld Textmaterial unterschiedlichster Gattung, Form, Dichte und Entstehungszeit bereit, dessen gemeinsame Aneignung den Teilnehmenden verschiedene Lektüre-, Interpretations- und Diskussionstechniken vermittelt. Sie erfahren einerseits, wie Rezeptionslinien und Verweisstrukturen einen wissenschaftlichen Kanon bilden, und hinterfragen andererseits diesen Kanon selbst. Methodisches Ziel des Kurses ist es, das Verhältnis von Sprache und Text zu reflektieren.

Arbeiter lesen eine Zeitung.

(Bildquelle: Deutsche Fotothek)

Die Kursleitenden

Niklas Draeger (Jg. 1991) ist gebürtiger Kölner. 2010 gewann er den Bundeswettbewerb Philosophischer Essay und nahm an der Philosophischen Olympiade in Athen teil. Seitdem war er als Dozent beim Bundeswettbewerb tätig und gab Seminare zu Adorno, Foucault, Badiou und Kino. Er studierte Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaften in Berlin. Von 2015 bis 2017 war er Schauspieler an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Er lebt und arbeitet als freier Schauspieler in Berlin und Köln.

Henri Lütkemeier (Jg. 1991) wuchs auf dem Land in Westfalen auf. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaften in Berlin und Paris. Philosophie bedeutet ihm Nachdenken über geteilte Lebensformen, an denen er sein Leben und seine Erinnerungen ausrichtet. Er engagiert sich im Kampf gegen und Sozialleistungsabbau und für nichtstaatliche Pädagogik. Seit 2019 arbeitet er an einer Doktorarbeit über Transzendentale Philosophie und Maschinentheorie. Er lebt in Paris.