Dieser Kurs findet vom 12.08.-19.08.2021 digital statt.
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5.5 Eine Frage der Disziplin.
Über die Grenzen literatur- und musikwissenschaftlicher Methoden

Kursbeschreibung

Der Kurs beginnt mit einem literarisch-musikalischen Werk. Damit kann sich jeder beschäftigen. Jeder kann Erfahrungen einbringen, Meinungen äußern und künstlerisch antworten. Wie aber lassen sich wissenschaftlich gültige Aussagen darüber machen?

Wissenschaft hat mehr mit dem Vorgehen als mit dem Gegenstand zu tun. Ihre Analyse läuft nach transparenten Kriterien ab. Sie vermeidet Fehlschlüsse, findet aus Hypothesen-Sackgassen heraus und hält Ergebnisse nachvollziehbar fest. Spannend wird es, wenn man bedenkt, dass es mehr als eine Methode gibt. Man kann ein Werk in historischen und biographischen Kontexten verorten, eine systematische Untersuchung zu seinem Bau anstellen, hermeneutisch auf Sinnsuche gehen und deduzierende Methoden aus den Hilfswissenschaften z. B. zur Quellendatierung hinzuziehen. All diese Methoden konkurrieren, und jede sieht einen anderen Aspekt des Gegenstands. Kann ein Werk also jemals erschöpfend erforscht werden? Und können sich die Forschenden aus der Untersuchung herausnehmen?

Der Kurs will wissen, was Methoden sind, warum es immer mehrere gibt und wie sie sich zueinander verhalten. Ausgehend von Foucaults Überlegungen zum Diskurs beschäftigt er sich mit den Bestandteilen eines „disziplinierten“ Forschungsprojekts, von der Fragestellung bis zur Ergebnisaufbereitung. Als Beispiel dient immer das eingangs vorgestellte Werk. Für einige Tage begeben sich die Teilnehmenden dabei in Gruppen auf unterschiedliche Forschungswege; im Kursplenum werten sie ihre Fortschritte gemeinsam aus. Am Ende können sie die Möglichkeiten und Grenzen einzelner Methoden und die Chancen interdisziplinärer Brückenbildung klarer einschätzen. Und nebenbei haben sie ein großartiges Werk kennengelernt.

Disziplinen erhellen aus eigenen Blickwinkeln unterschiedliche Aspekte am selben Objekt.

(Eigene Darstellung)

Die Kursleitenden

Jens Berger (Jg. 1974) studierte, vor allem in Freiburg, Germanistik und Philosophie sowie Musikwissenschaft und Physik. Er wirkte als Dramaturg für Festivals, Orchester und Chöre und lebt nun als freier Autor, Redakteur und Übersetzer in München. Wenn er nicht gerade seine Kaffeemaschine oder eines seiner zwölf Fahrräder repariert, singt er Chortenor oder wälzt alte Kochbücher. Zuletzt erschienen von ihm „111 Gründe, klassische Musik zu lieben“ und „101 Dinge, die ein Zuagroaster wissen muss“.

Christophe Fricker (Jg. 1978) untersucht den Zusammenhang von Sprache und Gemeinschaft. Er lehrt Deutsch und Übersetzung an der Uni Bristol. Nach der Promotion in Oxford war er Post-doc an der Duke University und von 2010 bis 2018 Geschäftsführer der Forschungs- und Beratungsgesellschaft Nimirum. Christophe ist Fellow der Higher Education Academy und der Royal Society of Arts. Sein jüngstes Buch ist „111 Gründe, England zu lieben“. Er spielt leidenschaftlich gern Catan. Dies ist seine sechste DSA.