Kurs 4.6
Frauen – Sprache – Literatur

Zur Akademie Wolfsberg 2022-4
30.06. - 16.07.2022

Ewig aus der Wahrheit Schranken Schweift des Mannes wilde Kraft, […]

Aber, zufrieden mit stillerem Ruhme, Brechen die Frauen des Augenblicks Blume, Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß, […]

Ein Männer- und Frauenbild, wie Schiller es in seinem Gedicht Würde der Frauen propagiert, prägt jahrhundertelang nicht nur die Literaturgeschichte. Dennoch gibt es auch Texte von und über Frauen, die ein anderes und bunteres Bild zeichnen: von selbstbestimmten, starken, mutigen, intelligenten, humorvollen Frauen, deren Auftreten vielseitig ist.

Der Kurs möchte diesem Spannungsfeld nachgehen und Sprache und Literatur von (und über) Frauen in ihrem jeweiligen kulturhistorischen Kontext untersuchen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf denjenigen Epochen, die noch keine institutionalisierte Frauenrechtsbewegung kannten. Die Teilnehmenden lernen Frauenfiguren aus der europäischen Literatur der Antike, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit kennen, die oftmals weniger populär sind und selten zum Schul-Kanon gehören. Zudem erfahren sie etwas über historische Schreiberinnen, die sich selbstbewusst als Frauen identifizieren.

Sprache spielt hierbei eine zentrale Rolle. Wer schreibt über Frauen und warum? Wie werden sie dargestellt? Was zeichnet sie aus? Schreiben Frauen anders als Männer? Wann greifen Frauen zur Feder, um sich Gehör zu verschaffen und in welcher Sprache machen sie das? Diese und weitere Fragen wirft der Kurs auf, diskutiert sie und möchte gleichzeitig kein rein binäres Geschlechtsmodell vermitteln, sondern auf die Vielfalt unserer Gesellschaft, gespiegelt in Sprache und Literatur, aufmerksam machen.

Neben Primärtexten lesen die Teilnehmenden u.a. auch Texte aus dem Bereich der Gender-Studies und bereiten vor der Akademie ein kurzes Grundlagen-Referat vor, das dann während des Kurses präsentiert wird.

‚Sappho‘, Museo Archeologico Nazionale di Napoli, ca. 50 n.Chr., Pompeii. (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Kursleitung