Kurs 2.3
Moral und Recht im Widerstreit (?)

Zur Akademie Clemenswerth 2022-2
04.08. - 20.08.2022

Recht und Moral sind normative Kategorien: Sie beschreiben ein Sollen. Aber wie ist ihr Verhältnis zueinander? Ist die Befolgung von Recht eine moralische Pflicht? Können moralische Erwägungen dazu führen, dass Recht nicht mehr gilt?

Dieses Spannungsverhältnis wird auch in der Rechtspraxis virulent, besonders im Strafrecht, das Freiheiten schützen soll, indem es Eingriffe in gerade diese Freiheiten erlaubt. Aus historischer Perspektive wird erkennbar, wie sich mit den Moralvorstellungen auch das Recht wandelt. Besonders deutlich ist dies bei Diktaturen, in denen eine „Moral gegen Menschen“ rechtsförmig durchgesetzt wurde, und bei den späteren Anstrengungen, dortige Unmenschlichkeiten juristisch als Verbrechen zu ahnden. Hier stellt sich die Frage, inwieweit Moral Geltungsgrund und Prüfstein von Recht sein kann.

In dem Kurs erschließen sich die Teilnehmenden das Spannungsverhältnis von Recht und Moral über rechtsphilosophische und -dogmatische Texte sowie rechtshistorische Quellen. Aus entwicklungspsychologischer Perspektive werden Ansätze zur Moralentwicklung des Menschen untersucht. Parallel dazu arbeitet sich der Kurs in einige Grundlagen des deutschen Rechts ein, um verfassungs- und strafrechtliche Urteile auf ihre moralischen Implikationen hin zu untersuchen. Im Fokus der rechtsdogmatischen Arbeit steht die Aufarbeitung von „Systemunrecht“, aber auch Fälle, in denen verfassungsrechtliche Erwägungen dem Strafrecht Grenzen setzen. Dabei halten sich die Arbeit „am Text“ und die Arbeit „am Fall“ die Waage.

Erwartet werden keine juristischen Vorkenntnisse, sondern die Bereitschaft sich – auch im Rahmen eines vor der Akademie vorzubereitenden Referats – auf längere Texte und das Denken in schematischen Strukturen einzulassen.

Die Kursleitung