Kurs 2.5
Erzählraum Karte

Kunst- und Ideengeschichte der Kartographie im Mittelalter

Zur Akademie Clemenswerth 2022-2
04.08. - 20.08.2022

Karten sind omnipräsent und gehören zum Alltag unserer mobilen und weit vernetzten Gesellschaft. Mittelalterliche Karten waren dagegen keine Utensilien täglichen Gebrauchs, sondern eigentümliche Objekte, die zwischen Geschichte und Geographie, Raum und Zeit, realen und imaginierten Orten oszillierten. Sie wurden auf Pergament, Textil und Papier gezeichnet, als Wandmalereien oder Wandteppiche gefertigt und sogar auf die Haut tätowiert. Sie dienten der Repräsentation, Andacht, Lehre oder Navigation und wichtiger noch: Sie spiegelten Weltvorstellungen wider und prägten diese zugleich. Diese Artefakte unterscheiden sich von modernen Karten so stark, dass die ältere Forschung sie als Zeugnisse einer naiven Weltsicht betrachtete. Heute gelten sie als hochkomplexe multigraphische und intertextuelle Werke, die topographische, kosmologische und theologische Konzepte sowie enzyklopädische Kenntnisse und Herrschaftsansprüche vermitteln. Gleichzeitig zeugen sie von der Identitätsbildung und Fremdwahrnehmung der Menschen.

Anhand von ausgesuchten schriftlichen Primärquellen (wissenschaftliche Abhandlungen, Reise- u. Visionsberichte, biblische Texte), Darstellungen und Objekten (Karten, Pläne, Buch- u. Wandmalerei, Kunsthandwerk, Skulptur) untersuchen die Teilnehmenden diverse kartographische Konzepte sowie Raum- u. Weltvorstellungen, die sich in den Karten seit Beginn des 9. Jh. niederschlugen. Das Abendland soll dabei keinesfalls isoliert behandelt werden. Denn insbesondere bei diesem Thema lohnt sich ein Perspektivenwechsel und Einblick in die Kartographie anderer Kulturen wie die islamische Welt, China, Indien und Mesoamerika.

Zur Vorbereitung auf den Kurs erstellen die Teilnehmenden im Vorfeld ein Referat.

Ebstorfer Weltkarte, um 1300, Durchmesser 3,57 m, Faksimile Rudolf Wienecke, 1952, Museum Lüneburg. (Quelle: Wikimedia, Creative Commons, Public Domain)

Die Kursleitung