Kurs 5.3
Feministische Wissenschaftsphilosophie

Wissenschaft von wem für wen?

Zur Akademie Roßleben 2022-5
04.08. - 20.08.2022

Archäologische Funde beweisen eine klare Arbeitsteilung: Männer jagen, Frauen sammeln. Und fMRT-Aufnahmen des Gehirns zeigen: Männer können besser räumliche Aufgaben lösen. Ähh, Moment?!

Die Wissenschaftsphilosophie ist lange davon ausgegangen, dass Wissenschaft neutral ist. Wenn Forschende Daten auswerten oder Theorien aufstellen, so die Annahme, spielen gesellschaftliche Vorurteile, Werte und Interessen keine Rolle.

An Beispielen aus der Archäologie, Hirnforschung oder Ökonomie haben feministische Wissenschaftsphilosophinnen jedoch gezeigt, dass Wissenschaft nicht neutral sein kann: Weil Wissenschaft Teil einer männerzentrierten Kultur ist und Frauen lange kaum Zugang zur Forschung hatten, ist sie von sexistischen Vorurteilen und Interessen geprägt. Feministische Philosophinnen fordern deswegen, explizit den Standpunkt von Frauen einzunehmen und feministische Werte in die Forschung einzubeziehen.

Aber wie kann Wissenschaft dann objektiv sein? Wie sieht gute Wissenschaft aus – oder gute Wissenschaftsphilosophie? Und ist der Fokus auf Frauen nicht viel zu eng: Inwiefern lässt sich feministische Wissenschaftsphilosophie auf andere marginalisierte Gruppen ausweiten oder kann ein nicht-binäres Geschlechterverständnis berücksichtigen?

Die Kursteilnehmenden lernen klassische wissenschaftstheoretische Positionen kennen, um darauf aufbauend die feministischen Antworten verstehen zu können. Die philosophischen Theorien werden auf konkrete Beispiele aus der Wissenschaft bezogen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem philosophischen Schreiben: In den Kurs eingebettet ist eine Textwerkstatt, in der die Teilnehmenden eigene wissenschaftliche Essays entwickeln.

Es wird erwartet, dass die Teilnehmenden im Vorfeld der Akademie zentrale Texte lesen und kurze Impulsreferate vorbereiten. Sonstige Voraussetzungen gibt es keine.

Frauen hatten lange kaum Zugang zur Forschung: Marie Curie auf der Solvay-Konferenz 1927. (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Kursleitung