Kurs DK-2
Der Körper-Geist-Dualismus

Eine philosophische Aufarbeitung

Zur Digitale Kurse 2022
28.07. - 06.08.2022

„La vérité n'est pas l'exactitude“ – Henri Matisse

Alle kennen Gegensätze wie „Er handelt eher impulsiv, nicht überlegt“ oder „Sie ist ein Kopfmensch, sie hat kein Gefühl“. Sie lassen sich auf den Gegensatz, den Dualismus von Geist und Körper reduzieren. Die Frage ist nun, gibt es diesen Gegensatz? Wo und warum findet er statt? Wurde er erfunden, um Teile der menschlichen Welt? Ist er eine Errungenschaft, die menschliche Freiheit garantiert?

Der Kurs stellt die These auf, dass dieser Gegensatz 500 Jahre alt ist – er ist gemacht, nicht „natürlich“; insofern wurde er erfunden. Ab 1492 beginnt die Eroberung des amerikanischen Kontinents: dafür werden Wir den Anderen gegenübergestellt, wir sind geistig bewandert, die anderen nicht, sie sind noch sehr körperlich. 1637 stellt Descartes fest, dass Dinge überhaupt entweder körperlich oder geistig sind, ein Drittes gibt es nicht. Der Körper-Geist-Dualismus wirkt seitdem wissenschaftlich, sozial, militärisch, sprachlich, politisch, philosophisch, und in der Liebe.

Im Kurs rekonstruieren die Teilnehmenden diese These und erarbeiten, wie strittig sie ist. Sie hatte und hat ihre Befürworter und Gegner. Diesen Streit untersucht der Kurs, und zeigt auf, wie zahlreiche Fragen der Gegenwart zu Unrecht in jenen Dualismus eingesperrt werden.

Zu diesem Zwecke werden die Teilnehmenden Texte lesen, analysieren, und diskutieren, die aus unterschiedlichster Fachrichtung und Epoche stammen. Methodisch geht der Kurs in Absprache mit den Teilnehmenden vor; gelehrt wird sprechen, zuhören, Zusammenhänge begreifen. Wenn der Dualismus von Körper und Geist erfunden, lässt er sich auch überwinden? Wie stellen wir uns neue Körper, Ideen, Landschaften vor?

Die Kursleitung