Kurs
6.3
Schuld
23.07. - 08.08.2026 Waldenburg
Schuld und ihr spiegelbildliches Pendant, die Entschuldigung, sind zentrale moralphilosophische, rechtliche und theologische Kategorien. Unter welchen Voraussetzungen kann ein unmoralisches/unrechtes Verhalten persönlich vorwerfbar – oder eben entschuldigt – sein? Wer entscheidet darüber und welches normative Referenzsystem wird einer solchen Einschätzung zugrunde gelegt? Wo findet ein persönlicher Schuldvorwurf seine Grenzen?
In diesem interdisziplinären Kurs werden wir versuchen, diese Fragen aus einer rechtshistorischen, strafrechtlichen, moralphilosophischen, sozialpsychologischen und theologischen Perspektive zu beantworten. Herangetragen werden diese Fragen an Strafrechtsfälle und insbesondere Fälle des „Systemunrechts“ in totalitären Diktaturen (NS-Verbrechen, DDR-Mauerschützen). Die Kursteilnehmenden werden dabei abwechselnd sowohl sich historische und theologische Quellen erschließen als auch Strafrechtsfälle gutachterlich lösen. Die exegetische Arbeit „am Text“ und die gutachterliche Arbeit „am Fall“ werden sich dabei die Waage halten.
Es sind keine juristischen Vorkenntnisse erforderlich, wohl aber die Bereitschaft sich – auch im Rahmen eines vor der Akademie vorzubereitenden Referats – auf längere Texte und ein Denken/Schreiben in bisweilen schematischen Strukturen einzulassen. In unserem Kurs wird keine politische Position debattiert, sondern geisteswissenschaftlich gearbeitet.
Die
Kursleitung