Kurs 1.4
„So war das nicht gemeint!“

Das Missverständnis als Katastrophe und Katalysator

Zur Akademie Schwäbisch Gmünd 2026-1
13.08. - 29.08.2026 Schwäbisch Gmünd

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Dass deine Freundin dich verlassen hat, beruhte nur auf einem Missverständnis? Dass die Mauer fiel, war eigentlich nicht intendiert? Was ging da schief, wie lange haben Leute nicht gemerkt, was los war, und wie kam das raus? Ein Missverständnis kann die Welt bewegen, es kann komisch oder peinlich sein – ein großer Knall, und irgendwie dann „nur“ ein Missverständnis, nicht so schlimm.

Der Kurs beschäftigt sich mit der Gegebenheit, dass einer denkt, er will das Gleiche wie die andern, und dann plötzlich merkt, dass was nicht stimmt. Dazu gehören immer Sprache (Kommunikation, man sagt was, oder irgendwie zu viel, zu wenig), Zeit (die lange Prägung und das Plötzliche) und Menschen (wer wir sind und was wir sind, warum, und ob uns das bewusst ist).

Ausgangspunkt: Momente aus dem Alltag und aus Politik, Geschichte und berühmten Texten. Erstmal fragt der Kurs, warum uns etwas auffällt, während vieles uns verborgen bleibt. Dann bringt der Kurs die Wissenschaft ins Spiel: Was können Soziologen, Philosophen und Linguisten liefern, das es uns erleichtert, mehr zu sehen?

Das Kursgespräch soll Beispielfälle im Detail beleuchten; auf dieser Basis sollen, vorsichtig, bewusst und als Versuch, ganz neue Missverständnisse gestaltet werden, und dann widmet sich der Kurs – mit Geertz und Lévi-Strauss, mit Waldenfels, Foucault und Goffman – Fragen nach Erwartung, Prägung, Machtstrukturen, Perspektiven und Verstehen. Denn um ein Missverständnis zu verstehen, muss man wissen, was verstehen heißt.

Erwartet wird die Lust am Spiel, am Ausprobieren, an Enttäuschung und Erleichterung, am sehr genauen Lesen und die Offenheit fürs Menschsein, das vielleicht ein großes Missverständnis ist.

Die Kursleitung