Kurs 5.4
(M)ein Werk – ohne mich?!

Autorschaft und Selbstwirksamkeit aus literaturwissenschaftlicher Perspektive

Zur Akademie Roßleben 2026-5
09.07. - 25.07.2026 Roßleben-Wiehe

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„Was möchte die Autor*in uns sagen?“ Mit dieser Frage ist man häufig im Deutschunterricht konfrontiert, wenn es um die Bedeutung eines Textes geht. Wollte die Autor*in uns aber etwas Bestimmtes sagen? Kann unsere Leseerfahrung tatsächlich darauf reduziert werden, was eine andere Person gedacht oder gewollt hat? In der Literaturwissenschaft ist die Skepsis darüber bisweilen so weit gegangen, dass man den ‚Tod des Autors‘ verkündet hat. Die Bedeutung eines Buchs ergibt sich demnach nur durch die Leser*in.

Ganz so einfach scheint es dann aber auch wieder nicht zu sein. Einerseits ist unser Interesse an den Urheber*innen eines literarischen Werks unbestreitbar. Andererseits fällt es beispielsweise im Falle von Joanne K. Rowling gar nicht so einfach, ihre politischen Ansichten von ihrem Werk Harry Potter zu trennen. Muss man nun das Werk aufgeben, um sie nicht (mehr) zu unterstützen?

Noch komplizierter wird es, wenn wir diese Fragen aus einer anderen Perspektive stellen: Was heißt das für mich selbst, wenn ich schreibe? Verschwinde ich in meinem eigenen Werk oder habe ich einen einzigartigen Zugang zu ihm?

Der Kurs nähert sich diesen Fragen aus zwei Richtungen:

  1. Die Teilnehmenden lesen zentrale Texte der Autor-Debatte – von Roland Barthes und Michel Foucault bis hin zu Martha Woodmansee und Doris Lessing.
  2. Die Teilnehmenden betrachten konkrete Beispiele, etwa Mary Shelley, Kafka, George R. R. Martin, Julie Zeh oder andere Autor*innen, die sie interessieren oder wichtig sind – und nicht zuletzt ihre eigene Autor*innenrolle.

Interesse am Schreiben ist für die Kursarbeit hilfreich, aber keineswegs Voraussetzung. Neugier dafür, was wir mit Texten und was Texte mit uns machen, genügt vollkommen.

Die Kursleitung